Asanam prAnasamrodhaH pratyAhArasca dhAranA dhyAnam samAdhiretAni yogANgAni bhavanti sat
Die Körperhaltung, die Beherrschung des Atems, die Sammlung, die Konzentration, die Vertiefung, und die Einheit, dieses sind die sechs Glieder des Yoga.

1.7 Goraksha Shataka
von GorakshanAtha

 

Shadanga Yoga, Das sechsgliedrige Yoga

Shadanga ist  ein Begriff aus dem Sanskrit und  bedeutet „sechs Glieder“. Shadanga Yoga ist eine traditionelle Form des Hatha Yoga.Um das Ziel des Yoga zu erreichen werden sechs Methoden verwendet, die stufenweise aufeinander aufbauen und ineinander übergreifen. Körper und Geist werden gleichermaßen trainiert wodurch körperliche Gesundheit, Wohlbefinden und geistige Ausgewogenheit erlangt wird. Diese Stärke und Ausgeglichenheit wirkt sich nicht nur während der Übungen, sondern auch nachhaltig im täglichen Leben positiv aus. Die Methode des Shadanga Yoga führt in das natürliche Gleichgewicht zurück. Zwei wichtige Grundsätze dieses Yoga sind spontane Natürlichkeit (Sahaja) und Gleichmut (Sama)


 

Gorakshanatha und Dattatreya lehren Yoga

Die sechs Glieder des Yoga sind:

Asanas (Körperhaltungen) stärken den Körper durch Muskelaufbau, aktivieren die Drüsen und Organe, geben Kraft und Ausdauer und machen den Körper durch Dehnung der Sehnen und Bänder geschmeidig und flexibel. Die Gelenke werden gestärkt, der Stoffwechsel angeregt und der Körper wird entgiftet.

Pranayama (Atemkontrolle) beruhigt den Geist und führt zu innerem Gleichgewicht. Der Atem versorgt den Körper mit Lebenskraft und beinflusst so den Energiehaushalt. Das koordinierte Zusammenspiel des Atems und der Körperübungen vertieft die Asanas und führt zu nervlicher Entspannung und Stressabbau. Die daraus resultierende Ruhe schafft die Vorraussetzung für das dritte Glied des Shadanga Yoga. 

Pratyahara (Sammlung) ermöglicht  Selbstbetrachtung. Durch Asana und Pranayama wird der Geist beruhight und die Wahrnehmung wird von störenden äußeren Einflüssen befreit. Der Geist kommt  zur Ruhe und die Konzentration wird geschult. Die Fähigkeit zur Konfliktbewältigung wird erhöht und Agressionen abgebaut. Pratyahara schafft die Grundlage für den geistigen Aspekt des Yoga.

Die nächsten zwei Stufen: Dharana (Konzentration) und Dhyana (Vertiefung) bestehen aus mentalen Übungen. Sie werden erlernt, wenn der Schüler durch längere Praxis der vorherigen  drei Glieder bereit dafür ist. Diese meditative Vertiefung befreit von Belastungen (samskara) und Befleckungen (klesha) und ermöglicht inneren Frieden zu erlangen. In der höchsten Stufe, dem Samadhi (Einheit), ist der Geist  durch Yoga Praxis von seinen individuellen Beschränkungen vollkommen befreit.